Vom Freund zum Feind
Schon in den achtziger Jahren muß den USA bekannt gewesen sein, daß der Irak Giftgas besitzt und auch einsetzt. Doch damals war es den USA offensichtlich ganz recht, ging es doch um den Kampf gegen den Iran.Im Dezember 1983 besuchte Rumsfeld den Irak und schüttelte freundlich mit Hussein Hände (http://www.msnbc.com/news/812805.asp?cp1=1). Im März des darauffolgenden Jahres fand ein erneuter Besuch statt. Just zu diesem Zeitpunkt (24.03.1984) wurde der UN-Report bekannt, in dem über den Einsatz von chemischen Waffen und Nervengas durch den Irak im Krieg gegen den Iran berichtet wird.
Während des Treffens im Irak wurde offenbar trotzt de UN-Berichts nicht über den Einsatz von chemischen Waffen gesprochen. Nach dem Treffen äußerten sich die US-Vertreteter als sehr zufrieden mit dem Treffen.
Im November des gleichen Jahres wurden die vollen diplomatischen Beziehnungen zwischen den USA und dem Irak wiederhergestellt. In der Folgezeit konnte sich der Irak mit Unterstützung der US-Regierung bei amerikanischen Firmen reichlich mit technischem Gerät eindecken.
Erst nach dem Einsatz von Chemiewaffen im Norden des Iraks gegen die Kurden, änderte sich die US-Politik.
Bereits 1984 hätte Rumsfeld die Aufmerksamkeit der Welt auf den Einsatz und Besitz von Chemiewaffen durch den Irak hinweisen können, warum forderte er erst unter der Clinton-Regierung den Präsidenten auf, etwas gegen den Irak zu unternehmen? Was hatte sich seitdem in der Welt verändert? Welche Ziele bewegten die US-Politiker? Und welche Ziele bewegen sie heute?
Vor einem Rückgriff auf die Geschichte, sollte hier erstmal klar hervorgehoben werden, daß sich zusammenhänge zwischen den extremen Islamisten wie denen von Al Quaida und Hussein beim besten Willen nicht herstellen lassen. Hussein würde sicher alles andere tun, als im Irak einen Gottesstaat auszurufen. Bin Laden und Saddam Hussein sind gewissermaßen völlig unvereinbar miteinander. Wenn Hussein als Inbegriff des Bösen aufgebaut wird (im Gegensatz zu vielen anderen mit Gewalt Regierenden), muß es also einen anderen Grund als Beziehungen zu Bin Laden oder eine Verbindung mit den Anschlägen vom 11. September 2001 haben. Und dieser Grund muß etwas sein, daß man nicht öffentlich vertreten kann und will, so daß man zu einer unbewiesenen Behauptung greifen muß. Die chemischen Waffen können es auch nicht sein, weil sie die USA offensichtlich 1984 noch nicht besonders gestört haben. Ein Griff zu Weltherrschaft (wie bei Hitler) kann es auch nicht wirklich sein.
Gehen wir nubn zurück in die Geschichte, müssen wir zuerst einmal sehen, daß inzwischen einige ganz entscheidende Dinge geschehen sind: Der Zusammenbruch der Sowjetunion, die Ausweitung der EU und deren stärkerer Zusammenschluß. Gleichzeitig ist China (heute wohl noch immer vor Indien der bevölkerungsreichste Staat der Welt zu einer entscheidenden Wirtschaftsmacht herangewachsen.
Die Rolle der USA hat sich bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion immer auch über ihre Rolle im Kalten Krieg definiert. Man hat hochgerüstet und sich immer als Vertreter und Bollwerk der "Freien Welt" gegen den Kommunismus gesehen. Mit der Auflösung der UDSSR kommt den USA diese Rolle nicht mehr zu, sie hat in der Welt an Gewicht verloren, was sich auch daran zeigt, daß sich die Vereinten Nationen schon seit einiger Zeit nicht mehr unbedingt dem Willen der USA beugen.
Der Clinton-Regierung war diese Rolle offensichtlich weniger wichtig als die innenpolitischen Schwierigkeiten. Sie hat sich mehr auf die Beseitigung von Armut und Arbeitslosigkeit bemüht als um die Erhaltung der USA als Weltmacht. Genau auf diesem Hintergrung ist der oben erwähnte offene Brief an die Clinton-Regierung zu sehen.
Auf diesem Hintergrund wird vielleicht auch verständlich, daß die Anschläge vom 11. September zwar ein empfindlicher Schlag für die USA waren aber gleichzeitig auch denen Auftrieb gegeben haben, die die Urheber der Anschläge vermutlich am meisten hassen, denen in den USA, die die USA wieder voll als Weltmacht rehabilitieren wollen und den Einflußbereich ausweiten, Politikern, denen es völlig egal ist, ob die Menschen in den USA oder anderswo hungern oder entrechtet sind.
