"Wo kann man sonst so viel Spaß mit Waffen haben?"
Zitiert aus der Werbung der US Marines bei Schülern. Soeben in Brisant im Ersten gesehen.
Leute totschießen lernen ist eben sehr "spaßig". 
Wie Bilder Meinungen beeinflussen
Am Abend des Panzerangriffs auf das Hotel Palestine in Bagdad zeigte N24 Bilder dazu während gerade über etwas anderes gesprochen wurde.Die Bilder waren in etwa mit dem Untertitel "Angriff auf Hotel Palestine" versehen. Gezeigt wurden dabei zwei aneinandereschnittene Filmsequenzen. Die erste zeigt eine Aufnahme eines breiten Gebäudes mit vielen Stockwerken und vielen mehr oder weniger halb geöffneten Vorhängen. Während der Aufnahme sieht man Mündungsfeuer oder kleine Explosionen von Geschossen. Dann wechselt das Bild während einer Explosion aprupt auf die getroffene Etage des Hotel Palestine.
Der Zusammenschnitt der Aufnahmen verschiedener Gebäude (das erste habe ich als eines auf der anderen Seite des Tigris identifiziert) wird zusammen mit dem Untertitel der Eindruck geweckt, daß aus dem Hotel mehrfach geschossen wurde. Nur bei genauer Beobachtung konnte man sehen, daß es sich tatsächlich um zwei verschiedene Gebäude handeln mußte.
Wohlgemerkt: Es handelte sich nicht um Live-Bilder, bei denen ein Umschwenken einer Kamera oder ein Schnitt auf eine andere Kamera durchaus mal ungewollt zu Irritierungen führen können.
Kommentar: Weblog-Artikel und journalistische Ethik
Der Schockwellenreiter weist in seinem heutigen Artikel Weblog-Artikel unter anderem auf einen Artikel The Great Blogging Ethics Debate von Cynthia L. Webb in der Washington Post hin. Offenbar hat zumindest von mir unbemerkt eine Debatte über Journalistische Ethik in den Weblogs begonnen. Anlaß ist, daß eine der Sites, die regelmäßig über den Irak-Krieg berichtet, Inhalte ohne Quellenangabe einfach 1:1 übernommen hat. Genaueres dazu in Cynthia Webbs ausgezeichnetem Artikel.
Ich denke, daß auch die deutschen Weblogger Grund genug haben, sich Gedanken zu machen, was guter Journalismus ist - selbst dann, wenn sie vielleicht einfach nur ausgewählte Artikel mit kleinem Kommentar linken.
Worauf kommt es an?
- Quellenangaben sollten auch bei Zitaten vorhanden sein (muß kein Link sein, ich linke auch keine Nazi-Sites)
- Bei Recherchen sollte man ein Auge darauf haben, ob die Quelle zuverlässig ist. Wenn unbekannt, darauf hinweisen.
- Bei größeren Artikeln sollte man sich nicht auf eine Quelle allein verlassen, wenn man dort z. B. Zitate Dritter entnimmt.
- Wenn möglich, sollten Originalquellen aufgesucht werden, um Dinge zu verifizieren
- Elektronische Daten können verändert werden. Deshalb sollte man bei brisanten Sachen die Quellen ausgedruckt aufbewahren.
Und noch etwas anderes sollte man bedenken: Auslassungen können genauso schlimm sein, wie das Hinzufügen falscher Sachen. Zu diesem Thema habe ich ein wunderschönes Beispiel aus der Fernsehberichterstattung:
Nach dem letzten Treffen in Nordirland haben sich Bush und Blair vor die Presse gestellt. Einen Teil der Pressekonferenz oder was das war, habe ich live gesehen. Und mir ist ob Blairs Enthusiasmus, was die Iraker alles gewonnen ("They won") hätten (Freiheit, Möglichkeit der demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklung usw.), fast die Klappe runtergefallen, wie man so schön sagt. Ein derartiker Enthusiasmus und der Gebrauch der Vergangenheitsform, als wäre der Krieg schon vorbei sind schon erschreckend. Weil ich das nicht so schnell wortwörtlich mitschreiben konnte, habe ich auf eine Wiederholung gehofft. In allen anderen Sendungen, wo Bilder gezeigt wurden, war aber dieser Teil nicht mehr enthalten. Eine derartige Auslassung macht aber auch Politik. Blair steht in einem wesentlich besseren Licht da, wenn man genau diesen Teil nicht wiedergibt. Immerhin wurde Bagdad danach noch heftig bombardiert und es gab weiterhin viele zivile Opfer.
Ein Punkt, den ich hier noch ansprechen möchte, ist ein sehr heikler Punkt für Weblogs: Das Auseinanderhalten von Kommentar und reiner Berichterstattung. Aus der Historie der Weblogs heraus sind die Artikel meist eher ein Gemisch aus beidem. Trotzdem sollte man versuchen, Kommentar und reine Berichterstattung deutlich auseinanderzuhalten. Bei Mischung von beiden Formen innerhalb eines Artikels kann man durch die Wortwahl eine entsprechende Differenzierung vornehmen. Mit ein bißchen Mühe sollte das auch weniger geübten Leuten einigermaßen gelingen.
Und zuguterletzt noch etwas über den Schutz anderer: Wie wir jüngst feststellen durften, sind Journalisten auf der Jagd nach einer guten Story manchmal sehr skrupellos. Über einen Weblogger aus dem Kriegsgebiet wurden Dinge in Weblogs und Zeitungen veröffentlicht, die dort besser nicht zu lesen gewesen wären, weil sie geneigt waren, denjenigen in Gefahr zu bringen. - Manchmal muß man eben auch bei aufwendigen Recherchen, die ein unerwartetes Ergebnis haben, die Arbeit abschreiben (nicht verwerten), weil kein öffentliches Interesse am Ergebnis besteht und man jemandem mit der Veröffentlichung Schaden könnte.
