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2003-04-22

Pulverfaß Naher Osten

Auch eine andere Warnung der Kriegsgegner kann nicht zerstreut werden: Der Angriff würde die Region zu einem Pulverfaß machen.

Keiner hat behauptet, daß es noch während des Krieges oder kurz danach zu einer Explosion dieses Pulverfasses kommen würde. Klar ist aber, daß der Angriff den extremen Islamisten in der Region auftrieb gegeben hat. Damit wird die sehr empfindliche Stabilität - sofern man überhaupt von einer solchen reden kann - der Region erheblich gefährdet.

Bekannt ist auch, daß Israel die Situation wie bereits 1991 ausgenutzt hat und weitere bewaffnete Vorstöße in das Palästinensergebiet unternommen hat, während die Augen der Weltöffentlichkeit auf den Irak gerichtet waren, gab es eine Reihe von Toten auf palästinensischer Seite. Auch dies treibt die verzweifelten Menschen in die Hände der islamistischen Extremisten.

Aus dem Iran werden Berichte laut, daß das dortige Regime die Gelegenheit nutzte, um Regimegegner zu beseitigen.

All dies zeigt, daß keinesfalls die Rede davon sein kann, daß ja alles noch mal glimpflich abgelaufen wäre.

Es wäre verfrüht, zu versuchen, jetzt schon eine Bilanz zu ziehen, aber eines ist klar: Besser ist die Welt durch diesen Krieg sicher nicht geworden und friedlicher auch nicht.

Länder, die sich von den USA bedroht fühlen, können nicht mehr auf die Völkergemeinschaft vertrauen und werden vermehrt hochrüsten und insbesonder versuchen, sich Atomwaffen zu beschaffen, die Zahl der von radikalen Islamisten und faschistisch geführten Länder wird langfristig zunehmen und wir werden mit der Gefahr leben müssen, daß die USA völkerrechswidrige Angriffe wie den gegen den Irak wiederholen werden, nachdem sie offensichtlich das Vietnam-Trauma abgelegt haben.

veröffentlicht um 21:58:56    #

Politik mit Opferzahlen?

Frontal 21 hat sich heute damit beschäftigt, ob mit Opferzahlen Politik gemacht wurde.

Wie auch in anderen Sendungen geht man offensichtlich davon aus, daß der Krieg im Irak bereits zuende ist. Dabei wird noch immer geschossen und viele Menschen sind ohne Wasser und Strom. Die tatsächlich Zahl der Opfer (und Opfer sind nicht nur Todesopfer) kann also überhaupt noch nicht festgestellt werden.

Auch wenn die tasächliche Zahl der Opfer noch nicht feststeht, kann man aber heute schon feststellen, daß die Kriegsgegner zu einem Teil sicher auch auf die Propaganda der Kriegsbefürworter hereingefallen sind. Wohl fast alle haben mit einer wesentlich größeren Gegenwehr der irakischen Armee gerechnet. Nach allem, was wir bis jetzt wissen, war die iraksche Armee aber im Wesentlichen bereits entwaffnet, was sicher auf die gute Arbeit der Waffeninspekteure zurückzuführen ist.

Aber gerade diese fast völlige Entwaffnung macht den Krieg umso unsinniger, selbst wenn bisher "nur" eine Zahl von ca. 2.000 getöteten Zivilisten sicher bekannt ist. Opfer sind auch die vielen Menschen, die in den Großstädten derzeit ohne Wasser und Strom sind. Opfer sind die Flüchtlinge. Und Opfer sind auch die, die im oder nach dem Krieg an Hunger und Krankheiten sterben werden.

Nicht zuletzt sind aber auch die Opfer, deren Zukunft nun verbaut ist, weil die Kriegführenden nicht verhindert haben, daß Krankenhäuser, Universitäten und andere Einrichtungen völlig zerstört und ausgeraubt wurden.

Unklar ist bisher auch, ob dem Irak in der Folge ein Bürgerkrieg oder ein neues Schreckensregime droht.

veröffentlicht um 21:50:24    #

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