Krise der Plattenindustrie verschärft sich
... vermeldet die Tagesschau unter Berufung auf Quellen in der Industrie. Der Absatz an CDs und Kassetten soll um 17 % zurückgegangen sein.
Keine Aussage wird in dem Artikel über die tatsächlichen Verhältnisse der Umsatzzahlen getroffen (Umsatzhöhe und deren Verteilung auf die verschiedenen Bereiche wie CDs, LPs, Kassetten und Gema-Gebühren).
Wenn es tatsächlich einen Rückgang der verkauften Stückzahlen gibt, so bleibt die Frage der Ursache. Liegt es tatsächlich daran, daß sich immer mehr Leute Musik aus dem Internet herunterladen? Liegt es vielleicht an den seit Einführung des Euro gestiegenen Preisen? Oder liegt es gar daran, daß die Verunsicherung durch von der Plattenindustrie eingeführte Kopierschutzverfahren dazu führt, daß den Käufern die Lust am Kaufen schlicht vergeht?
Nicht zur Aufnahme fähige Kassettenrecorder führen sicher dazu, daß tragbare CD-Player, die heute wesentlich billiger als noch vor ein paar Jahren sind, an Attraktivität gewinnen. MP3-Player dagegen erlauben wie Kassettenrecorder die individuelle Zusammenstellung von Musik für unterwegs.
Äußerst fraglich ist an dieser Stelle, ob diejenigen, die MP3-Dateien aus dem Internet in Mengen sammeln, die sie selbst während ihres ganzen Lebens nicht werden hören können, wirklich dazu beitragen, daß der Umsatz an CDs zurückgeht.
Der Erfolg von Apple mit seinem Musikserver zeigt, daß Musikliebhaber auch heute noch bereit sind, für Musik zu zahlen. Und er zeigt auch, daß sich die Plattenindustrie mit den ganzen Diskussionen um Kopierschutz selbst ein Bein gestellt hat.
Offen bleibt auch, ob die Industrie in Zukunft vielleicht mehr Wert darauf legt, sicherzustellen, daß gekaufte CDs auch wirklich auf jedem Player laufen und daß ggf. durch geeignete Mittel für den Verbraucher erkennbar ist, ob die im Plattenladen gekaufte CD tatsächlich ein qualitativ hochwertiges Original oder ein billiges zu hohen Preisen verkauftes Plagiat ist.
Gut anstehen würde es der Plattenindustrie sicher auch, wenn sie darauf achtete, daß ihre eigenen Produkte eine dem Preis entsprechende Qualität besitzen und nicht minderwertige Digitalisierungen zu völlig überhöhten Preisen verkauft werden.
