Hersteller-Support mit Problemen
Aus meinem erfolgreichen Versuch, einen Rechner, der möglichst wenig Strom verbracht auf Basis eines Epia-Motherboards mit einer stabilen Debian zu installieren ist die HOWTO Debian 3.0 auf Epia M10000-N installieren hervorgegangen.
Wenn man ein Board hat, das ACPI und I2C unterstützt, will man das natürlich auch ausnutzen, zumal die aktuellen Linux-Kernel und lm-sensors dafür Unterstützung bieten.
Beim Installieren und Schreiben stieß ich allerdings auf einige Probleme, die sich mit Hilfe der Foren nicht lösen ließen:
- Die Grafikunterstürzung für das in der Debian enthaltene XFree ist nur durch binäre Treiber gegeben.
- Es ist nirgends eine eindeutige Zuordnung der Sensoren des I2C zu finden.
- Für das Auslesen des vid-Wertes wird die DC-DC-Converter-Spezifikation benötigt.
Man sollte nun davon ausgehen, daß es kein Problem wäre, für die angegebenen Probleme eine Lösung beim Hersteller im Datenblatt zu finden oder beim Support eine passende Auskunft zu bekommen.
Auf die Frage nach den Fehlermeldungen des binären Treibers für die interne Grafikkarte und wie man erstere beheben kann, bekam ich bisher keine Auskunft (die Anfrage ist mehrere Wochen alt).
Auf dem Hersteller-Server ist ein Datenblatt für die C3-Prozessoren zu finden. In einem C3-Datenblatt steht jedoch zum C3 Nehemiah For Nehemiah architecture please refer to the C3 Nehmiah datasheet. Da der Server etwas undurchsichtig ist, habe ich also nachgefragt und gleichzeitig um Auskunft bezüglich des VRM-Wertes gebeten. Einige Tage später bekam ich aus Deutschland die Antwort, daß es die gewünschten Auskünfte nicht für Privatpersonen gäbe. - Es sind mir also Informationen, wie ich sie für andere CPUs und bei anderen Herstellern vom Webserver herunterladen kann, verschlossen.
Eine vor Monaten direkt an den deutschen Support gestellte Frage bezüglich des SMBus und I2C hatte eine ähnliche Antwort zur Folge. Gleichzeitig verwies man mich (obwohl ich als Betriebssystem Linux angegeben hatte) an einen Hersteller von Windows-Software. Die Informationen in der HOWTO habe ich dann letztendlich durch Versuche und Analyse der Angaben, die zum nur binär verfügbaren Überwachungsprogramm vorliegen, gewonnen.
Angesichts der Tatsache, daß Dokumentationen wie so eine HOWTO die Anfragen beim Hersteller sicher vermindern und im Normalfall auch nicht gerade das Gegenteil von verkaufsfördernd sind, erscheint mir die Informationsfreudigkeit des Herstellers angesichts der Tatsache, daß inzwischen tausende von Anwendern Videorecorder auf Basis von Linux mit Boards des Herstellers aufgebaut haben, etwas kurzsichtig zu sein.
Immer noch in der Hoffnung, daß man sich eines besseren besinnt, stehe ich nun mit der HOWTO und meinem Rechner an einigen Stellen an Punkten, an dem ich nicht weiterkomme: X läßt sich wegen der Wartezeit des Grafikkartentreibers nicht mit Xdm starten und auch wieder beenden (ich muß startx benutzen), das Auslesen der Sensoren bleibt unvollständig bzw. möglicherweise fehlerhaft, und der CPU-Lüfter läuft immer auf voller Drehzahl (leider nicht gerade sehr leise)...
Eigentlich gefällt mir das Board mit dem Prozessor ganz gut, zumal der ganze Rechner auch nicht mehr Energie braucht (das 60-W-Netzteil meines Gehäuses ist völlig ausreichend) als ein wesentlich langsamerer älterer mit modernem Gehäuse. Nachdem ich nun aber auch noch gelesen habe, daß außer den obigen Problemen auch ein Suspend to Disk (oder in den Speicher) nicht möglich sein wird, mag die anfängliche Begeisterung nicht so recht zurückkehren und ich werde wohl warten müssen, bis der Hersteller seine Informationspolitik ändert oder irgendwer die fehlenden Puzzleteile findet oder passende Treiber programmiert.
Einziger Trost: Das kostet wenigstens keine Unmengen an Tinte wie meine vielen Versuche, mit meinem HP Fotos zu drucken, bevor der HPIJS-Treiber als Open Source zur Verfügung stand.
