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kurze Auseinandersetzung zum Thema Sekten

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Sekten und auch einige Religionsgemeinschaften zeichnen sich dadurch aus, daß die den einzelnen überwiegend willenlos machen und der "Gemeinschaft" unterordnen. Sie bieten besonders für Leute, die in einer Krisensituation stehen, eine scheinbare Lösung an: Glaube (z. B. Zeugen) oder Selbstfindung (z. B. Scientology). Das eigene Denken wird dem Menschen abgenommen, seine Identität geht in der der "Gemeinschaft" auf. Vorgespiegelt wird immer irgendeine Art von Befreiung.

Im Folgenden werde ich weiterhin nur den Begriff "Sekten" verwenden, auch wenn das gesagte auch für anerkannte Religionsgemeinschaften ganz oder teilweise gilt - die großen Kirchen nicht ausgenommen.

Sekten arbeiten nach dem Führerprinzip und sind stark hierarchisch aufgebaut, d. h. es gibt immer irgendwelche Religionsführer oder Gemeindevorsitzende, die meist auch in der untersten Ebene nicht von der Gemeinschaft gewählt sind sondern eingesetzt oder selbsternannt. Vielen steht ein Gesamtführer voran, der die absolute Wahrheit vertritt. Darunter ordnen sich dann die verschiedenen Hierarchieebenen an, in die das Mitglied je nach "Festigkeit" aufsteigen kann.

Teile und herrsche!

Viele Sekten versuchen, den Kontakt zu anders denkenden Freunden und Verwandten zu unterbinden und zu verhindern, solange jemand noch nicht komplett "eingenordet" ist. Insbesondere wird dabei auf Kontakte geachtet, bei der die andere Person irgendeine Form von Autorität (sei es durch Erfahrung, Wissen oder Alter) ausübt. So werden Kinder von den Eltern ferngehalten und Erwachsene von kritischen gebildeten Freunden. Das geschieht zum einen durch räumliche Trennung (Kurse oder Wohngemeinschaft fernab von zu Hause) und zum anderen durch psychischen Druck (Schuldzuweisung für die eigene Situation, Verteufelung, Drohung mit "Liebesentzug" durch die Gruppe oder Gott) und zum anderen mittels direkter Bedrohung (besonders gern von Scientology benutzt). Im besten Fall wird die andere Person einfach als eine Art Teufel oder Hexe aufgebaut.

Die Gehirnwäsche, die von den Sekten ausgeübt wird, ist nicht immer so offensichtlich, wie sie uns von den "Kursen" der Scientology bekannt ist. Oft ist sie subtiler. Immer jedoch versucht sie, jeden Zweifel und damit das eigene Denken zu unterdrücken. Besonders Gemeinschaftsveranstaltungen mit einschlägigen Gesängen, gemeinsamen Bibellesungen u. A. eignen sich dazu. Sie erzeugen psychologisch ein Gruppengefühl, in dem der oder die Einzelne aufgeht. Zweifel werden durch ablenkende Allgemeinplätze und Zitate erschlagen, ohne eine wirkliche Antwort zu geben. Mitglieder werden möglichst früh dazu gebracht, möglichst regelmäßig Gruppenveranstaltungen teilzunehmen, weil diese sonst ihre Wirkung (es geht mir gut) verfehlen. So entsteht eine Art Sucht und Abhängigkeit. Später werden die Mitglieder meist durch Druck gezwungen, teilzunehmen, wenn die die Tendenz zeigen, fernzubleiben und sich so dem Einfluß zu entziehen.

"Mit uns geht es Dir gut, ohne uns schlecht"

Dieses Gefühl haben besonders Leute schnell, die innerhalb einer (Lebens-) Krise Kontakt zur Sekte bekommen. Genau auf dieses Prinzip hat Scientology in den 70ern in Deutschland mit seinen Kursen angesetzt. Die anderen Sekten nutzen dieses Prinzip aber auch aus. Entscheidend dabei ist, daß eben nicht die versprochene Lebenshilfe gegeben wird sondern nur vorgegaukelt wird, man würde welche bekommen. Nach einer Veranstaltung sind dann die Probleme wieder da und man kann ihnen scheinbar nur dadurch entgehen, daß man zur nächsten Veranstaltung geht. - An dieser Stelle sieht man, daß die Sekten z. B. gar kein Interesse an tatsächlicher Hilfe zur Selbsthilfe und Lebensbewältigung haben, da dann die Grundlage fehlt, die Menschen weiter in den Bann zu ziehen. "Die haben mir mal geholfen" ist eben nur selten ein Grund, irgendwo Mitglied zu werden, oder aktivieren sich die Leute Massenweise beim DRK, weil sie mal ein Krankenwagen des DRK gefahren hat?

Abhängigkeit

Abhängigkeit wird zum einen wie oben beschrieben erzeugt. Hinzu kommen finanzielle Abhängigkeiten (Schulden, die die Mitglieder bei der Sekte haben) und Glaubensabhängigkeiten. Die Sekten sorgen dafür, daß die Mitglieder meinen, in ein tiefes Loch zu fallen oder ihnen gar die Verdammnis droht, wenn sie sich entfernen oder nicht nach den Regeln der Sekte handeln. Eine weitere Form von Abhängigkeit, die vor allem die trifft, die als politischer oder wirtschaftlicher Arm nach außen oder als Führer innerhalb der Gemeinschaft fungieren, ist der Entzug der eigenen Bedeutung oder Macht. Politiker werden in den politischen Ruin getrieben, Manager in den wirtschaftlichen und die inneren Führer verlieren letztendlich alle Bedeutung, da sie meistens nichts anderes haben, wo sie Erfolge vorweisen können und ihr Selbstbewußtsein daraus gewinnen.

Wie verhindert man, daß Leute in den Sog von Sekten geraten?

In der eigenen Umgebung kommt es vor allem auch darauf an, wie man miteinander umgeht. Eltern müssen für ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern sorgen und darauf achten, daß sie lernen alltägliche und schwierige Probleme zunächst unter Anleitung und mit Hilfe selbständig lösen. Eine ähnliche Rolle kommt auch den an der Erziehung von Kindern beteiligten Institutionen wie der Schule zu.

Scheinbare Selbständigkeit allein reicht aber nicht aus. Hierzu siehe die Diskussion um die antiautoritäre Erziehung, die im Gegensatz zur unautoritären Erziehung die Autorität nicht nur nicht ausnutzt sondern auch nicht Anleitung für das Lernen aus den Erfahrungen anderer bietet. - Kinder müssen auch lernen, daß sie durchaus schwach sein dürfen, und sie müssen dann wissen, daß es jemanden gibt, der ihnen beisteht (ob sie nun etwas nicht können oder einfach ungeheuren Mist gebaut haben). Eine andere Sache ist natürlich, daß Kinder auch lernen müssen, ihr eigenes Wohl und Wollen gegen das anderer abzuwägen. Weder Kinder noch Erziehungsperson haben immer "Recht".

Im sonstigen sozialen Umfeld sollte man die Probleme anderer genauso wenig ignorieren, wie man selbst mit Problemen allein gelassen werden möchte. Auf Freunde und Bekannte zugehen, wenn sie Probleme haben, und dann gemeinsam Lösungsansätze zu suchen ist der beste Weg. Sprüche wie "Es kommen auch wieder bessere Zeiten" helfen meist überhaupt nicht und bewirken eher das Gegenteil.

Ist jemand in die Fänge geraten oder zeigt erste Ansätze dazu, ist es m. E. wichtig, im Gespräch zur Verfügung zu stehen und nicht das Schweigen über das spinnerte Verhalten des anderen zu legen. Dabei sollte man sich aber darüber klar sein, daß bei festen Mitgliedern jedes Gespräch der Sekte zur Kenntnis gebracht wird. Im Zweifelsfall sollte man sich Hilfe bei Selbsthilfeorganisationen Ehemaliger oder in Beratungsstellen holen.

Warum sind die Sekten nun so gefährlich?

Aus obigen Ausführungen sollte klar geworden sein, daß es vor allem darum geht, die Mitglieder willenlos zu machen. Willenlose Menschen aber, die sich das kritische Denken abgewöhnt oder nie damit begonnen haben, sind eine Gefahr für unsere Gesellschaft, selbst wenn die einzelne Sekte vielleicht nicht wie Scientology o. a. nach der Weltherrschaft schielt.

Eine gesunde Gesellschaft braucht gebildete Menschen, die ihren eigenen Kopf gebrauchen und nicht nur anhand der Aussagen eines Religionsführers oder der Übersetzung und Auslegung eines Religionsbuches entscheiden, was richtig oder falsch, was gut oder schlecht ist. Und eine gesunde Gesellschaft braucht Menschen, die es gelernt haben, auch mal gegen den Strom zu schwimmen, ohne gleich unterzugehen. Ja-Sager haben wir in unserer Geschichte schon genug gehabt.

Und noch etwas: Sekten sind mit ihren Lehren wie Drogen und vielen Drogen stehen Austauschdrogen gegenüber, die als Ersatz fungieren können. Sektenmitglieder zeichnen sich oft dadurch aus, daß sie sich leicht als willige Schafherde zur Machtgewinnung einspannen lassen.

In diesem Sinne: Der Staat muß unabhängig von den Krichen sein und es kann auch nicht sein, daß in einigen Bundesländern konfessionsgebundene Schulen die staatlichen Schulen ersetzen und es schwer bis unmöglich ist, eine Schule zu finden, die nicht konfessionsgebunden ist.

Freie Religionsausübung ist die eine Seite der Medaille, wenn aber Kirchen aus staatlichen Geldern aller Steuerzahler finanziert werden und als Ersatz für staatliche religionsunabhängige Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser oder Sozialeinrichtungen dienen, droht auch bei uns Gefahr.

Und noch etwas: Wir leben hier und jetzt. Eine Orientierung auf ein Leben nach dem Tode oder außerhalb dieser Welt führt dazu, daß wir dazu neigen, diese unsere Welt zu zerstören.

letzte Änderung 2003-09-19 15:29:36

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